Pressespiegel
16.10.2026
Dauerstress bei der Arbeit
Überlastet im Job: Sport und Achtsamkeit sind keine Lösung
Selbstoptimierung ist oft die Antwort auf Stress bei der Arbeit. Doch wenn die Strukturen überlasten, hilft die auch nicht mehr. Woran Beschäftigte erkennen, dass es zu viel wird und was dann zu tun ist.
Der Wecker klingelt, doch die Nacht hat kaum Erholung gebracht. Am Wochenende kreisen die Gedanken wieder um die Arbeit, und die Geduld reicht kaum bis zum Mittag. Häufen sich solche Muster, steckt oft mehr dahinter als nur eine stressige Phase im Job. Überlastung am Arbeitsplatz betrifft viele Beschäftigte - und kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.
Aber wie viel zu viel ist? Eine Frage hilft laut Gustav Wirtz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, schnell bei der Einschätzung: "Kann ich mich regelmäßig erholen, meine Aufgaben bewältigen und Dinge erleben, die mir wichtig sind?" Gelingt das über längere Zeit nicht, sollten Beschäftigte handeln.
Auf welche Warnsignale sollten Beschäftigte achten?
Gesundheitlich problematisch wird enorme berufliche Belastung, wenn neben anhaltender Erschöpfung auch körperliche Beschwerden auftreten: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, ständige Infekte ohne erkennbare andere Ursache. Ebenso ernst zu nehmen sind psychische Anzeichen: Gereiztheit, innere Unruhe oder emotionale Leere, bei der man nur noch "funktioniert".
Im Arbeitsalltag zeigt sich Überlastung oft durch Konzentrationsprobleme, häufige Fehler, sinkende Motivation, Konflikte oder Rückzug. Aufmerksam sollten Sie auch werden, wenn Pausen nicht mehr gelingen, die Arbeit gedanklich rund um die Uhr präsent ist oder die Belastung ins Privatleben hineinwirkt.
Viele Menschen versuchen, ihre Überlastung mit mehr Achtsamkeit, Meditation oder Sport auszugleichen. Solche Maßnahmen können guttun, ersetzen aber keine Veränderung. "Stress ist selten ein reines Einstellungs- oder Resilienzproblem des Einzelnen", sagt Wirtz, Bereichsleiter der SRH Rehabilitationseinrichtung für psychisch Kranke (RPK) in Karlsbad-Langensteinbach. Meist seien die Arbeitsbedingungen Ursache. Beschäftigte müssten deshalb lernen, professionell Grenzen zu setzen, bevor sie krank werden.
Was hilft, wenn die Last zu groß wird?
"Ein Coaching kann Sie unterstützen, Lösungsstategien zu entwickeln, um mit problematischen Situationen am Arbeitsplatz souverän umzugehen. Sprechen Sie mich an!"
Der Facharzt empfiehlt folgende Strategien:
- Die eigene Lage sortieren: Fragen Sie sich, was Sie am stärksten belastet: die Arbeitsmenge, Konflikte, zu viel Verantwortung oder fehlende Erholung? Und seit wann ist das so? Unterscheiden Sie zwischen zwingenden Aufgaben und solchen, die sich verschieben, reduzieren oder abgeben lassen.
- Kurzfristig entlasten: "Echte Entlastung bedeutet, dass sich Anforderungen, Ressourcen oder beides verändern", so Wirtz. Klären Sie dazu mit Ihrer Führungskraft, was Vorrang hat und was warten kann. Helfen können außerdem Vertretungen, begrenzte Überstunden, feste Pausen und eine klare Abgrenzung der Erreichbarkeit. Bei akuter Erschöpfung kommen Urlaub oder Freizeitausgleich infrage. Ist es medizinisch nötig, kann eine Krankschreibung sinnvoll sein.
- Das Gespräch suchen: Ist die Belastung arbeitsbedingt, lohnt sich ein frühes, vertrauliches Gespräch. Neben der Führungskraft sind der Betriebsrat oder der betriebsärztliche Dienst mögliche Ansprechpartner. Hilfreich ist es, nicht nur das Problem, sondern auch den konkreten Unterstützungsbedarf zu benennen. Wer zu viele Aufgaben parallel hat, kann etwa darauf hinweisen, dass die Arbeit besser verteilt werden sollte.
- Erholung priorisieren: "Regeneration ist keine Belohnung nach erledigter Arbeit, sondern eine Voraussetzung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit", betont Wirtz. Achten Sie also zum Beispiel auf ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und Pausen und pflegen Sie soziale Kontakte, die Freude oder Ruhe schenken.
Halten Beschwerden mehrere Wochen an, verstärken sie sich oder schränken den Alltag deutlich ein, sollten Sie professionelle Hilfe suchen. Erste Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde. Diese Unterstützung diene der Klärung und Stabilisierung. "Sie ist kein Zeichen persönlichen Versagens", so Wirtz.
Quelle: ntv.de, awi/dpa
11.05.2026
So wappnen Sie sich gegen Machtspiele im Job
Machtspiele im Job sind selten offensichtlich. Wie Sie subtile Strategien erkennen und was hilft, wenn Kollegen oder Chefs versuchen, ihre Interessen auf Kosten anderer durchzusetzen.
Im Meeting wird Ihre Idee übergangen - und fünf Minuten später von jemand anderem gefeiert. Oder eine Aufgabe landet plötzlich auf Ihrem Tisch, obwohl Sie klar gesagt haben, dass Sie sie nicht übernehmen wollen.
Solche Situationen sind mehr als schlechte Stimmung: Oft stecken Machtspiele dahinter, die das Arbeitsklima vergiften und Teams ausbremsen. Dabei geht es nicht nur um Sätze wie "Egal, was du davon hältst: Ich bin der Chef und ich allein entscheide, was jetzt richtig ist". Vielmehr zeigen sich Machtspiele im Job höchst unterschiedlich.
Meist geht es um informelle, teils hinter den Kulissen laufende Versuche, andere zu beeinflussen, Macht zu sichern oder eigene Ziele durchzusetzen, nicht immer entlang offizieller Rollen und Prozesse. Solche Muster können in jeder Organisation vorkommen, besonders dort, wo Informationen knapp sind, Entscheidungen intransparent wirken oder Zuständigkeiten unklar bleiben.
"Jeder im Berufsleben verfolgt eigene Interessen, das ist normal", sagt Gerhard Blickle, Universitätsprofessor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie am Institut für Psychologie der Universität Bonn. So ist es völlig legitim, Netzwerke zu pflegen, um über Kontakte beruflich voranzukommen. Wenn aber persönliche Interessen zum Nachteil für andere im Team werden und vielleicht sogar über den Unternehmenserfolg gestellt werden, wird es destruktiv.
So erkennen Sie Machtspiele im Job
Machtspiele können ganz dabei unterschiedlich aussehen. Mitunter beginnt es offen, etwa wenn eine Führungskraft eine Beschäftigte zu einer Aufgabe drängt, die sie eigentlich überhaupt nicht machen möchte. "Die Führungskraft kann aber qua ihrer hierarchischen Funktion zumeist durchsetzen, dass die Beschäftigte gegen ihren ausdrücklichen Willen die Aufgabe erledigt", sagt Blickle.
Häufiger sind subtilere Signale: Wenn bestimmte Personen ausgegrenzt und in Entscheidungsprozessen nicht einbezogen werden, spreche das für Machtspiele, so Eva Boos, Business Coach in Berlin. Auch wenn Beschäftigten ohne Begründung Aufgaben entzogen werden, die sie in der Vergangenheit top erledigt haben, kann das ein Hinweis sein.
Typisch sind außerdem übermäßige Kontrolle, mangelnde Transparenz oder ständige Rückfragen – ebenso wie das Abschieben von Verantwortung bei unliebsamen Aufgaben oder Fehlern.
Powerplay kann sich auch in Meetings zeigen. Ein Mitarbeiter macht dort einen konstruktiven und überzeugend klingenden Vorschlag, danach herrscht zunächst Schweigen. Das Meeting läuft weiter – und kurz darauf präsentiert eine Kollegin quasi den identischen Vorschlag, diesmal mit sehr positivem Echo. "Augenscheinlich hat sich im Team eine Gruppe gebildet, die gegen andere intrigiert", so Boos.
Was Betroffene sofort tun können
Auf lange Sicht führen Machtspiele dazu, dass Beschäftigte zunehmend unzufrieden werden. Auch die Motivation sinkt, wenn bestimmte Menschen am Arbeitsplatz immer wieder versuchen, ihre Position auszunutzen und auf dem Rücken anderer durchzusetzen. Wer sich dagegen wappnen will, sollte sich ein paar zentrale Strategien aneignen. "Wichtig ist vor allem, Grenzen zu setzen", sagt Boos. Was dabei hilft:
- Benennen, was passiert: Greift jemand anderes etwa bei einem Meeting den Vorschlag, den man selbst vorgetragen hat, auf und verkauft ihn als seinen eigenen, sollte man das umgehend sachlich ansprechen. Auch wer sich ständig kontrolliert fühlt oder den Eindruck hat, dass Entscheidungen hinter verschlossenen Türen gefällt werden, sollte das thematisieren.
- Einschüchterungsversuche stoppen: Hat man den Eindruck, das Gegenüber vergreift sich im Ton und will einen einschüchtern, heißt es ebenfalls: sofort reagieren. Etwa so: "Ich merke, der Ton wird gerade sehr scharf. Lass uns kurz durchatmen und sachlich zum Thema zurückkehren."
- Nicht automatisch Ja sagen: Trägt die Führungskraft einem eine unliebsame Aufgabe an, sollte man sie nicht einfach annehmen, sondern klar die Vorbehalte zum Ausdruck bringen.
- Verbündete suchen: Etwa, indem man Teammitglieder fragt, ob sie Meetings ebenso toxisch erlebt hätten wie man selbst. Es gilt das Prinzip: "Gemeinsam sind wir stark und können zusammen Veränderungen zum Positiven herbeiführen", so Blickle.
- Wichtige Punkte dokumentieren: Eine weitere Stütze: relevante Gesprächsinhalte aufzuschreiben. Will ein Kollege ein offenbar unliebsam gewordenes Projekt auf einen abschieben, können eigene Notizen unter Umständen aufzeigen, dass der Kollege zu einem früheren Zeitpunkt das Projekt an sich gezogen und zur Begründung auf seine ausgewiesene Expertise verwiesen habe.
Welche Team-Regeln Machtspiele reduzieren
Nicht alles lässt sich allein im Zweiergespräch lösen. Teams können gemeinsam darauf schauen, Machtspiele möglichst zu unterbinden. "Hilfreich ist, alle an einen Tisch zu holen und gemeinsam Team-Regeln aufzustellen", sagt Blickle. Dabei gelte es, eindeutige Zuständigkeiten zu schaffen sowie klare Regeln für alle aufzustellen.
Boos rät zudem, eine professionelle Moderation bei Meetings zu vereinbaren. Hierzu gehöre, jeden zu Wort kommen und ausreden zu lassen. Ergebnisse und Entscheidungen werden dokumentiert, damit sie später niemand umdeuten kann. "Kein Unternehmen sollte sich eine Angstkultur leisten", sagt Boos. Denn sie vergiftet das Arbeitsklima – und schadet letztendlich auch dem Unternehmenserfolg.
Quelle: ntv.de, awi/dpa
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